Im Gedenken an unsere Toten

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Wir verneigen uns respektvoll vor den Soldatinnen und Soldaten, die im Dienst für unser Land ihr Leben verloren haben. Sie haben sich dadurch die höchste Anerkennung erworben: Pour le Mérite – Für das Verdienst!

Sind sie nun gefallen, haben sie ihr Leben verloren oder sind sie gestorben? Das Recht, dem sie gedient haben, gibt eine klare Antwort. Wir führen trotz der kriegsähnlichen Bedingungen keinen Krieg. Unsere Soldaten schützen die Bevölkerung vor Gegnern, die als Terroristen, Verbrecher oder Söldner morden. Sie sind zu Mördern geworden, als sie unsere Soldaten getötet haben. Kein Recht der Welt hat sie dazu ermächtigt!

Die Erinnerung an Krieg und Gewalt und das Gedenken an die Toten ist daher verbunden mit unserer dauerhaften Verpflichtung zum Widerstand gegen Terroristen und Verbrecher für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. Diese Verpflichtung soll uns als Stütze der Erinnerung immer wieder vor Augen geführt werden.

Denn wo immer wir heute helfen können ein Blutvergießen zu beenden, Not zu lindern und Menschen vor Gewalt und Terror zu schützen, müssen wir es tun. Wir dürfen nicht wegschauen, als ginge uns das nichts an. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit. Es ist auch ein Gebot vorausschauender Vernunft. Wir dürfen uns nicht der gefährlichen Illusion hingeben, dass Konflikte begrenzbar wären und wir auf einer Insel eines dauerhaften Friedens leben können. Dieses Gebot wurzelt in dem festen Vorsatz, uns ein freiheitliches und friedliches Heimatland zu erhalten.

Unsere deutschen Soldatinnen und Soldaten gehen heute weltweit in verantwortungsvolle und gefährliche Einsätze, bei denen sie immer wieder in Situationen kommen, in denen sie ihre Gesundheit und ihr Leben einsetzen müssen. Wenn wir uns erinnern, schaffen wir eine Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Denn die ganz persönliche Tragödie des Todes für das Vaterland hat schon Millionen von Deutschen getroffen. Und unser Land wird dieses Opfer auch weiterhin fordern müssen. Im täglichen Dienst und im Einsatz.

Wir haben die Lektionen der Vergangenheit gelernt. Deshalb können wir richtig entscheiden, wenn es um den Verlauf des 21. Jahrhunderts geht. So haben wir uns auch eine Verfassung geschaffen, die selbst als Vorbild dienen kann. Denn wir genießen als Bürgerinnen und Bürger die volle Freiheit. Wir können feiern, genussvoll leben, unsere Wohnungen geschmackvoll einrichten und die düsteren Gefahren von uns fernhalten.

Und hier ist es nur recht und billig, wenn man den Dienst für unser Vaterland hoch schätzt. Denn unsere Toten haben bewiesen, dass sie dem Ganzen gedient haben. Denn sie haben ihr Leben hingegeben und hierdurch unvergänglichen Ruhm erworben. Um mit den Worten von Perikles zu sprechen: „Nehmt diese euch jetzt zum Vorbild, und geht, indem ihr das Glück in der Freiheit und die Freiheit im Mut sucht, den Gefahren des Krieges nicht aus dem Weg.“

Die Toten wollen nicht, dass wir sie Helden nennen. Denn sie waren Menschen wie wir. Doch sie haben für Frieden und Sicherheit gekämpft, sie haben dafür gelitten und sind für uns gestorben. Wenn man aber in der Stille an sie denkt, vernimmt man ihre Stimmen: „Sorgt Ihr, die Ihr noch im Leben steht, aktiv dafür, dass Frieden bleibe, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern.“

Dazu sollten wir die Anonymität überwinden und den Toten ein Gesicht geben. Wer waren die Toten? Was haben sie gefühlt, gemacht, gekonnt, gedacht? Ein Vater, der seine Familie nicht mehr beschützen kann, der seine beruflichen Pläne nicht mehr verwirklichen durfte. Er durfte seine Zukunft nicht mehr gestalten. Deshalb sollten wir dieses an seiner Stelle zumindest für unser Land tun.

Denken wir deshalb auch an die Familien, die das schwere Los des Todes mit zu ertragen haben. Vergessen wir nicht, dass auch sie uns das Höchste gegeben haben. Vergessen wir nicht, dass auch sie unserem Land und unserem Gemeinwesen mit dem Ziel des Friedens in Freiheit gedient haben. Reichtum und Macht können auch Verbrecher anhäufen. Freiheit allein kann nur durch Geist und Seele des Menschen in einer freien Gesellschaft zur Blüte gebracht werden. Diesem Ziel haben die toten Soldaten und deren Familien mit höchstem Einsatz gedient und dadurch dauerhafte Anerkennung und Respekt erworben.

Das Symbol der Gelben Schleife verbindet deshalb Gesellschaft und Militär in gegenseitiger Solidarität für einen Frieden in Freiheit durch Mut, durch Ritterlichkeit, durch sittlich gebundene Tapferkeit und durch ein ganz persönliches staatsbürgerliches Engagement.

 

1_Gedenksttte_Camp_Marmal
Gedenkstätte Mazar-e Sharif
2_Kapelle
Kapelle Camp Marmal
3_Kreuz
Kreuz in Kapelle
5_Mischa
Gedenktafel
6_Jrn
Gedenktafel
7_Marius
Gedenktafel
8_Josef
Gedenktafel
9_Dr._Thomas
Gedenktafel